Grumsdorf(Grabczyn) liegt am Virchowsee zwischen Wurchow und Drensch. Das dort angesiedelte Gut gehörte zunächst der Familie Somnitz, die als Gründerfamilie des Ortes gilt, und ab 1803 der Familie von Joeden-Koniecpolski. Zunächst war Leberecht von Joeden-Koniecpolski der Besitzer, nach seinem Tod wurde es an die Erben verpachtet. Der letzte dieser Pächter war Franz von der Osten, ein Schwiegersohn des Verstorbenen. Etwa um 1900 übernahm Alexander von Joeden das Gut, da er aber Offizier in Stettin war, ließ er das Gut durch Administratoren verwalten. Etwa 1905 nahm Major von Joeden Abschied vom aktiven Militärdienst und übernahm das Gut. Laut deutschsprachigem Teil der amerikanischen Zeitung Indiana Tribune feierte die Familie von Joeden-Koniecpolski am 25., 27. und 28. Juni 1903 die 100jährige Wiederkehr des Tages an dem das Gut in ihren Besitz überging. Neben anderen Stiftungen soll bei dieser Gelegenheit eine Grumsdorfer Volksbibliothek mit 5000 Bänden gegründet worden sein.
Treffpunkt des Ortes war die Gaststätte "zum Virchowsee" mit Saal in der Mitte des Ortes. Sie gehörte zunächst zum Gut, der letzte Wirt bis 1945 war Max Abraham.
Dorfschulzen, Gemeindevorsteher bzw. Bürgermeister ab etwa 1880 waren der Bauer Albert Thom bis 1903, dann der Bauer August Tesch bis 1908, danach dessen Sohn Friedrich Tesch bis 1924(1914-1918 abwesend durch 1. Weltkrieg). Dann folgten in kurzen Abständen der Bauer Paul Balk, der Eigentümer August Reinke und der Major a.D. Rittergutsbesitzer Alexander von Joeden bis zu seinem Tod 1934. Danach folgte wieder Friedrich Tesch, der das Amt bis zur Flucht innehatte.
Die zu deutschen Zeiten erbaute Kirche wurde nach dem Krieg leider abgerissen. Bis ca. 1860 war für die Kirche das Pfarramt Kasimirshof zuständig, danach das Pfarramt Wurchow. Pastoren bis 1945 waren unter anderem die Herren Splittgerber, Stämmler und Jeschke.
1930 wurde direkt neben der Kirche ein Schulgebäude mit zwei Klassenräumen und zwei Lehrerwohnungen errichtet, und es wurde ein neuer Friedhof angelegt, der ca. 200m vom alten Friedhof entfernt lag. Von beiden Friedhöfen ist leider heute nichts mehr zu sehen.
Zur gleichen Zeit gab es einen weiteren Neubau, die Kolonialwarenhandlung von Franz Ventzke.
Eine einklassige Volksschule gab es aber schon vor dem Schulneubau in Grumsdorf. Bis zum Jahre 1865 wirkte Lehrer Schmidt, bis etwa 1880 Lehrer Tech, danach bis 1898 Eduard Weichel. Nach kurzen Vertretungen der Lehrer Münchow und Riedel kam der spätere Kantor Franz Jaeger, der bis etwa 1929 unterrichtete. 1928 wurde wegen der gestiegenen Kinderzahl eine zweite Schulklasse im neu errichteten Gutsarbeiterwohnhaus eingerichtet, als zweiter Lehrer kam Herr Schliedermann. Als Lehrer und Kantor Franz Jaeger pensioniert wurde kam Martin Joecks. Nach Versetzung des Lehrers Schliedermann kam Herr Burow, nach seiner Versetzung Herr Kamlage. Neben dem Schuldienst hatten die Lehrer auch alle 14 Tage den Lesegottesdienst abzuhalten und in der Kirche das Harmonium zu spielen. Franz Jaeger und August Tesch gründeten einen Männergesangverein mit rund 30 Mitgliedern und einen gemischten Kirchenchor.
Vom Gut aus führt ein Weg zum alten Burgwall, an dem allerdings auch fast nichts mehr zu sehen ist. Der Weg ist aber trotzdem bis zum Ende zu empfehlen, weil man einen sehr schönen Blick auf den Virchowsee und auf Wurchow mit der höher liegenden Kirche hat. Das Gutsschloss ist leider schon stark zerfallen, ebenso wie die Brennerei, Molkerei und Gärtnerei im Ort. Das gleiche gilt für die Wohnhäuser von M. Balk, Albert Baumann, Otto Dally und B. Schwanke. Die Gutsfeldscheune am Drenscher Weg ist ebenso abgebrannt wie die Scheune von Walter Streichert. Artilleriebeschuss erhielten die Häuser von Wilhelm Loeper und Wilhelm Liebenow.
Am 26. Februar 1945 verließen die Grumsdorfer gemeinsam mit 65 Evakuierten(14 Familien) ihre Heimat. In Treptow an der Rega wurden sie dann von Russen beschossen und verteilten sich in alle Himmelsrichtungen.
Viele Informationen, vor allem die über die Grumsdorfer Einwohner, sind von einem Bericht von Friedrich Tesch(1884-1967) übernommen. Er war der letzte deutsche Bürgermeister in Grumsdorf, fast 30 Jahre lang.

Als der Landkreis Bublitz 1932 aufgelöst bzw. mit Köslin zusammengelegt wurde, wurde Grumsdorf in den Landkreis Neustettin eingegliedert.

Finanzamt Neustettin, Amtsgericht Bublitz, Standesamt Porst, später Wurchow.

Einwohnerzahl 1864: 404(Kreis Fürstenthum)
Einwohnerzahl 1925: 467
Einwohnerzahl 1939: 420

Mögliche Quellen für die Familienforschung:

Die neueren Standesamtsunterlagen (01.11.1932 – 1945) liegen im Rathaus in Neustettin.
Kirchenbücher: 1861-1874 liegen im Landesarchiv in Greifswald.
Grundbücher sind in der Außenstelle des Archivs Köslin in Neustettin zu finden.

Was wird gesucht: die Kirchenbücher aus der Zeit vor 1861, Standesamtsunterlagen von Porst, wo Grumsdorf zeitweilig zugehörte.

Virchowsee

Virchowsee bei Grumsdorf

 
Virchowsee

und noch einmal der Virchowsee

 
Blick vom Ufer des Virchowsees bei Grumsdorf auf Wurchow mit der Kirche in der Mitte
 
Schule Grumsdorf
Schule von Grumsdorf, links daneben war früher die Kirche und der alte Friedhof
 
neuer Friedhof
hier befand sich der neue Friedhof in Grumsdorf, halb zugewachsen findet man dort noch viele (Grab-?)Steine unter den Bäumen
 
die ehemalige Gaststätte "zum Virchowsee" mit Saal links
 
eine Hochzeit in Grumsdorf, vermutlich in den 1930er-Jahren
 
noch einmal die Gaststätte
 
der Speicher 2012, hinten links war mal die Brennerei, links war das Gutsschloss
 
die noch bewohnten Häuser auf dem Gutsgelände
 
die ersten Häuser, von Wurchow bzw. der ehemaligen Reichststaße 160 kommend
 
Ortsmitte von Grumsdorf, im Hintergrund die Gaststätte
 
die Dorfstraße in Grumsdorf
 
die Dorfstraße in Grumsdorf
 
die Dorfstraße in Grumsdorf
 
Ortsmitte von Grumsdorf
 
Haus in Grumsdorf
 
die Dorfstraße in Grumsdorf
 
die Dorfstraße in Grumsdorf


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